Wann tritt der Tod ein?

Woran kannst du erkennen, dass ein Mensch tot ist?
Ist er tot, wenn …
  • sein Gehirn aufgehört hat zu arbeiten?
  • er nicht mehr atmet?
  • sein Herz nicht mehr schlägt?

Hmmm, gar nichts o einfach, oder?
Auch unter Medizinern herrscht Uneinigkeit über diese Frage.

Schauen wir uns die verschiedenen Tode mal an …

Als klinischer Tod wird definiert, wenn das Herz und der Kreislauf still stehen, kein Blut mehr durch die Adern gepumpt wird, das den Körper mit Sauerstoff versorgt. Somit stellen nach und nach alle Organe ihren Dienst ein – nach wenigen Minuten ist das Gehirn irreversibel geschädigt. Kommt es jedoch zuvor zu einer erfolgreichen Reanimation, kann sich der gesamte Organismus wieder vollständig erholen.

Ich denke hier an das Beispiel eines ertrunkenen Kindes, das erfolgreich wiederbelebt werden kann und keine Schäden davon trägt.

Der Hirntod gilt unter vielen Medizinern als DER Tod. Denn ist das Gehirn so geschädigt, dass keinerlei Aktivität mehr darin gemessen werden kann, ist eine Rückkehr ins Leben ausgeschlossen.

Ein klassischer Fall ist jemand, der bei einem Verkehrsunfall so schwer am Kopf verletzt wurde, dass im Krankenhaus nur noch sein Hirntod festgestellt werden kann.

Für die Angehörigen ist das sehr schwer zu begreifen: liegt dieser Mensch doch da, als würde er nur tief schlafen. Sein Körper ist warm, und durch die Beatmungsmaschinen hebt und senkt sich der Brustkorb – er atmet. Dieser Körper kann schwitzen, Exkremente ausscheiden, sich bewegen – sogar Kinder gebären.

Der biologische Tod setzt nach dem klinischen und dem Hirntod ein. Er wird sichtbar durch das Auftreten der ersten sicheren Todesmerkmale, wie den Leichenflecken, die nach 20-30 Minuten nach Versterben entstehen, oder der Leichenstarre, die nach wenigen Stunden eintritt.

Wenn du einen schwer kranken, sterbenden Angehörigen hast, werden für dich der klinische Tod und der Hirntod nicht von großem Interesse sein.

Stell dir einen Krebskranken im finalen Stadium vor – würde sein Herz wiederbelebt werden, würde es bald darauf wieder und wieder versagen. Auch Organe dürfte er nicht spenden, da sie mit Tumorzellen „infiziert“ sein könnten. Viele Krebskranke sterben an inneren Vergiftungen, an Multiorganversagen.

Wusstest du ...

… dass menschliche Zellen noch bis zu 48 Stunden nachdem der Kreislauf vollends zusammengebrochen ist, im Körper aktiv sind?

Das würde ja bedeuten, dass noch bis zwei Tage nach Versterben Leben im Körper ist….

Ja, aber – heißt das, dass man eigentlich zwei Tage nach seinem Tod erst richtig tot ist?

Und welcher Tod zählt denn jetzt: klinisch tot, hirntot, biologisch tot, totaler Zelltod?

Hier gibt es keine Klarheit – die Marker sind willkürlich gesetzt, teilweise reversibel oder zeitlich nicht exakt feststellbar (wann stirbt die letzte Zelle?).

Mir scheinen auch die Bezeichnungen irreführend: der Mensch unterliegt IMMER biologischen Vorgängen – wie kann er denn NICHT biologisch, sondern klinisch sterben? Wäre hier nicht die Bezeichnung endgültiges Herz-Kreislaufversagen angebrachter? Und wo wir bei Versagen sind – wäre es nicht zutreffender, anstatt von Hirntot von Hirnversagen zu sprechen – so, wie es bei den anderen Organen auch der Fall ist? Nierenversagen, Lungenversagen, Leberversagen  – sie alle können den Tod des ganzen Organismus nach sich ziehen, SIND aber jeder für sich alleine genommen nicht der Tod, da der Mensch als Ganzes stirbt.

Wie würde ich persönlich nun TodSein definieren?

Der Tod beginnt für mich, wenn ein Mensch das allerletzte Mal ausatmet. Allerdings ist der Tod ist kein fester Punkt mehr, sondern setzt sich fort, fließt hinein in den Körper, der sich nun zersetzt, bei gleichzeitiger Aktivität der Zellen, bis diese nach zwei Tagen aufhören, zu arbeiten.

Und dann … ja dann! bedeutet Tod natürlich für mich auch nicht nur das Versterben des Körpers, sondern das SichLösen des Bewusstseins, der Seele des Menschen von seinem Körpergefäß.

Wann mag sich die Seele vollständig gelöst haben vom toten Körper?

Was bedeutet das für dich als Angehöriger
eines gerade Verstorbenen?

Es öffnet den Blick:

Tod ist nicht mehr ein Moment,
er ist vielmehr ein Prozess.


Ich wäre gerne in diesem Moment, in dem meine Eltern das letzte Mal ausatmeten, dabei gewesen, doch die beiden hatten anders entschieden. Heute weiß ich – ich war nicht zu spät gekommen.

Etwas war noch da.

Es war noch Leben im noch warmen Körper und ich konnte die Seele noch spüren. Bei meinem Vater machte ich etwas, worüber ich heute noch froh bin.

Ich vertraute meiner Intuition und sprach laut zu ihm. Erklärte ihm, was geschehen war – dass sein Körper tot ist, dass sein Körper später in die Pathologie des Krankenhauses gefahren werden würde, und er keine Angst haben muss, wenn es dort unten kalt und dunkel ist. Denn er war nicht (mehr) sein Körper, das sagte ich ihm. Seine Seele würde nun ihre Heimreise in andere Dimensionen antreten.

Das Ganze war nicht nur für meinen Vater wichtig: auch ich selbst hörte meine Worte, die ich laut aussprach, und mein System konnte beginnen, zu begreifen, dass mein Vater gestorben war.

Wie lange diese Verabschiedung bei beiden dauerte, kann ich nicht mehr genau sagen. Es war nicht sehr lange – ich hatte mich schon in den Wochen zuvor Stück für Stück von Ihnen verabschiedet. Bei dir mag der Fall vielleicht anders liegen, z.B., weil dein Angehöriger plötzlich gestorben ist oder du ihm noch einiges sagen möchtest, was du ihm zu Lebzeiten nie sagen konntest. Nimm dir unbedingt die Zeit, die du brauchst.

Setz dich nicht unter Druck und lasse dich auch von niemandem unter Druck setzen. Du hast die Möglichkeit, bis zu 36 Stunden (nach Eintritt des Todes) deinen verstorbenen Angehörigen zu Hause zu behalten bzw. ihn für bis zu 36 Stunden aus dem Krankenhaus nach Hause zu holen. Wie lange du deinen Toten zu Hause behalten darfst, kann je nach Bundesland variieren. Auskunft dazu gibt dir dein zuständiges Ordnungsamt.

Und da ich unmöglich einen Text über den Tod mit  „Ordnungsamt“ beenden kann, ende ich mit den ungleich schöneren Worten von Henry Scott Holland.

Der Tod ist nichts,

ich bin ich, ihr seid ihr. Das, was ich für euch war, bin ich immer noch. Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt, sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt. Gebraucht nicht eine andere Redensweise, seid nicht feierlich oder traurig. Lacht über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.

Betet, lacht, denkt an mich, betet für mich, damit mein Name im Hause ausgesprochen wird, so wie es immer war, ohne irgend eine besondere Bedeutung, ohne Spur eines Schattens. Das Leben bedeutet das was es immer war, der Faden ist nicht durchgeschnitten. Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein, nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin? Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges.

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